Aus der Zeitung 2010

Musikalischer Genuss in der Christkirche

TondernlTønder - (can) Am gestrigen 3. Advent trat der Chor der Nordschleswig­schen Musikvereinigung unter der Leitung von Peter von der Osten in der Christ­kirche in Tondem auf und bot den vielen Gästen einen musikalischen Ohrenschmaus. Dazu trugen auch weitere Akteure bei, denn eingeleitet wurde die Adventsvesper mit Beiträ­gen vom »Buxtehude Kam­merchor« sowie von den Musikern Olav Oussoren (Cembalo), Peter Deichgrä" ber (Trompete) und Hausorganist Steen Wrensted Jensen. Pastorin Kirstin Kri­stoffersen, die gemeinsam mit Pastor Achim Strehlke durch die gottesdienstliche Handlung führte, begrüßte die Gäste zur Adventsves­per, die erstmals in der Christkirche stattfand.


Es folgte der Auftritt des Chores der Musikvereini­gung, der Motetten des Advents sang. Eine ausführ­liche Besprechung des Kon­zerts folgt. Das Foto zeigt den Kammerchor bei seiner stimmungsvollen Einlei­tung. Foto: Karin Riggelsen
 

 

 

 

Trost den Lebenden

Dienstag, 2. November 2010

Text von Jens Uwe Jessen, Fotos von Karin Riggelsen

Apenrade/Aabenraa – (DN)

Was macht eigentlich »Ein deutsches Requiem« von Johannes Brahms seit der Bremer Karfreitagsaufführung 1868 zu einem der meistgespielten Werke geistlicher Chormusik?

Sicher gilt die Bewunderung vor allem dem meisterhaften Einsatz musikalischer Mittel, die dem Hörer den ernsten aber tröstlichen Text in ergreifender Weise verdeutlichen. Zum anderen wirkt das Brahms’sche Requiem im Gegensatz zu der herkömmlichen lateinischen Totenmesse vertrauter, nicht nur durch die jedermann verständliche deutsche Sprache, sondern weil Brahms bei seiner Textwahl statt der Fürbitte für die Verstorbenen den zurückgelassenen, leidtragenden Menschen in den Mittelpunkt stellt und damit besonders für wenig liturgisch Vertraute einen weitaus stärkeren persönlichen Bezug schafft.

Innerlich berührt wurde wohl jeder Besucher der drei Aufführungen der Nordschleswigschen Musikvereinigung am Freitag im Haderslebener Dom, am Sonnabend in der Apenrader Sønderjyllandshalle und am Sonntag in der Kirche von Lügumkloster. Unter der Leitung von Peter von der Osten sang der Chor und spielte das Konzertorchester der Musikvereinigung mit Dorothee Velten (Sopran) und Christfried Biebrach (Bass) als Solisten. Mit der Orchestereinleitung der tiefen Streicher war die Gemütslage des ersten Satzes »Selig sind, die da Leid tragen« vorgegeben. Vom paukenpochenden Trauermarsch entfaltete sich der folgende Satz »Denn alles Fleisch, es ist wie Gras«, unterbrochen von dem lichtvoll davon abgehobenen »So seid nun geduldig, liebe Brüder«, zu wahrhaft hymnischer Größe.

Besonders gelungen die zunehmende Erregtheit und der markante Vortrag der Männerstimmen im abschließenden Fugato. Das mit warmem, kultiviertem Bariton Christfried Biebrachs angestimmte und im Wechsel mit dem Chor gestaltete »Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muß« strahlte außerordentliche Würde aus. Aus der daraus erwachsenden Frage des Chores »Nun Herr, wes soll ich mich trösten?”« sprach deutlich Ratlosigkeit. Mit zunehmender Lebhaftigkeit und Klanggewalt meisterte der Chor die modulationsreiche, als große Orgelpunkt-Fuge gestaltete Antwort »Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand« in beeindruckender Weise. Der berühmte Kritiker Hanslick hat dazu bemerkt, er habe sich bei der Wiener Uraufführung dieser Fuge »wie bei einer beängstigenden Eisenbahnfahrt durch einen langen Tunnel gefühlt «. Ob die im Anschluss erfolgte mehrminütige Pause im Saal zum Atemholen nach den starken gefühlsmäßigen Eindrücken von Brahms selbst vorgesehen war, vermag ich nicht zu sagen.

Sanfte Töne folgten zum Lobpreis der himmlischen Wohnungen, vom Chor wahrhaft lieblich vorgetragen und mit Frische und Durchsichtigkeit zu Ende geführt. In ähnlich friedvollem Ton trug Dorothee Velten ihr tröstliches »Ihr habt nun Traurigkeit« vor, in den Höhen mit außerordentlicher Klangentfaltung, dort aber zuweilen in Bezug auf den Text vielleicht eine Idee zu dramatisch in der Intonation. Der folgende Abschnitt »Denn wir haben hie keine bleibende Statt« stellte zweifellos einen Höhepunkt des vielschichtigen Werkes dar. Schon die schreitende Bewegung in den Orchesterbässen symbolisierte die stete Wanderung dem jenseitigen Ziel entgegen, vom Chor in deutlichem staccato bekräftigt. Mit großem Einsatz und voller Hingabe zeichneten alle Mitwirkenden ein dramatisches Bild des Auferstehungsgeschehens, gekrönt von der machtvollen Fuge »Herr, du bist würdig« mit ihrem massiven Blechbläsereinsatz und ihren Synkopen und Nachschlägen im Orchester. Bis hierhin hatten sich die Chorstimmen voll eingesungen zu ihrer Höchstform gesteigert. Der Schlusssatz »Selig sind die Toten« knüpfte mit seiner Ausstrahlung seelischer Ruhe an den ersten an. Ein Hauch von Verklärung wurde spürbar. »Denn ihre Werke folgen ihnen nach« – eine Chorstimme folgte der anderen bis zum Ausklang in reinem, friedvollen F- ur. Das Orchester erfüllte seine Aufgabe unter der umsichtigen Stabführung Peter von der Ostens vorzüglich, indem der Einklang zwischen vokalem und instrumentalem Vortrag stets gewahrt blieb. Brahms wollte die ersten drei Sätze seines Requiems zum Trost für die Lebenden im Spätherbst uraufgeführt wissen. Die Nordschleswigsche Musikvereinigung hat dem Rechnung getragen, und wenn die Aufführungen über die Schönheit der Musik hinaus diesen Trost spenden konnten, hat sie den Willen des Komponisten in vollkommenerWeise erfüllt.  

 

 

Zwischen Leben und Tod - Brahms Requiem

Hadersleben - 31. Oktober 2010 - von webredaktion - clk


Ein beeindruckendes Bild: Der Chor im Haderslebener Dom
Foto. Karin Riggelsen

An das deutsche Requiem von Johannes Brahms, eines der bedeutendsten Werke für Chor und Orchester, hat sich die Nordschleswigsche Musikvereinigung unter der Leitung von Peter von der Osten nun bereits zum zweiten Mal gewagt. Gestern war im vollständig ausverkauften Haderslebener Dom die Premiere. Die Solisten waren Dorothee Velten, Sopran, und Christfried Biebrach, Bass.
Weitere Aufführungen sind am Sonnabend um 16 Uhr in der Sønderjyllandshalle in Apenrade und ebenfalls um 16 Uhr in der Kirche in Lügumkloster. Besonders beeindruckend war die Darbietung des Chores in den zarten Schlusspartien.

Versuchs mal mit Musik

05. März 2010 - von Cornelius von Tiedemann 

Das kürzlich auf dem Knivsberg abgehaltene Jugendmusikfestival 2010 war bereits das 21. seiner Art. Musikdirektor, Initiator und Organisator Peter von der Osten, die Jury, dieses Mal u. a. mit dem bekannten Saxofonisten Richard Wester und die zahlreichen jungen, jugendlichen Musiker aus Nordschleswig kamen wieder zusammen, um die »organisierte Form von Schallereignissen«, wie das Lexikon die Musik definiert, zu feiern. Und das mit gutem Grund.

Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche Musik machen. Es ist wichtig, dass sie lernen, sich und ihre Emotionen auf vielfache Weise auszudrücken. In der Musik öffnet sich für sie dabei eine ganze Welt der Möglichkeiten!

Ein Blick, sagt man, sagt mehr als tausend Worte. Das gleiche gilt für die Musik. Sie ist Weltsprache, die jeder versteht – und die doch jeder anders, auf seine eigene Weise spricht. Jedes Lied, jeder Song erzählt eine Geschichte, ein Gefühl, eine Ahnung. Öffnet den Vorhang im »Kino im Kopf«, wirft lang vergessen geglaubte Bilder an die Netzhaut des »inneren Auges«.
Der virtuose Jazzpianist, er erzählt durch sein Spiel genauso von sich, wie der verbitterte Hardrock-Sänger. Die Schnulze, die wir alle aus dem Kaufhaus-Fahrstuhl kennen, vielleicht nervt sie uns, zahllosen anderen aber spricht sie aus der Seele.

Dieses Sich-aus-der-Seele-Sprechen ist gerade für junge Menschen unerhört wichtig. Es ist wichtig, gehört zu werden und verstanden zu werden. Und es ist natürlich auch einfach mal ein tolles Erlebnis, auf der Bühne zu stehen und dafür Applaus zu bekommen.

Deshalb ist es großartig, dass Nordschleswig seinem Nachwuchs mit dem Jugendmusikfestival die Chance bietet, die eigene kreative, musikalische Seite, die u. a. in den Schulen und durch den Musikverband gefördert wird, ausleben und sich mit »echten« Musikern darüber austauschen zu können.

Dass das Niveau der Darbietungen in diesem Jahr teilweise erstaunlich hoch war, ist eine schöne und natürlich gewünschte Folge der musikpädagogischen Arbeit in den Institutionen der Minderheit.
Doch fast noch schöner war der Eindruck, dass keines der Kinder und Jugendlichen Angst hatte, auf die Bühne zu gehen und dass alle einander ehrlichen Beifall spendeten. Und das war so, weil sich die jungen Menschen sicher waren. Sicher, genau das Richtige zu machen:
Musik!

Apenrade/Aabenraa – (DN)
Was macht eigentlich »Ein
deutsches Requiem« von
Johannes Brahms seit der
Bremer
Karfreitagsauf-
führung 1868 zu einem der
meistgespielten
Werke
geistlicher Chormusik?
Sicher gilt die Bewunde-
rung vor allem dem mei-
sterhaften Einsatz musikali-
scher Mittel, die dem Hörer
den ernsten aber tröstlichen
Text in ergreifender Weise
verdeutlichen. Zum ande-
ren wirkt das Brahms’sche
Requiem im Gegensatz zu
der herkömmlichen lateini-
schen Totenmesse vertrau-
ter, nicht nur durch die
jedermann
verständliche
deutsche Sprache, sondern
weil Brahms bei seiner Text-
wahl statt der Fürbitte für
die Verstorbenen den zu-
rückgelassenen, leidtragen-
den Menschen in den Mit-
telpunkt stellt und damit
besonders für wenig litur-
gisch Vertraute einen weit-
aus stärkeren persönlichen
Bezug schafft. Innerlich
berührt wurde wohl jeder
Besucher der drei Auf-
führungen der Nordschles-
wigschen Musikvereinigung
am Freitag im Haderslebe-
ner Dom, am Sonnabend in
der Apenrader Sønderjyl-
landshalle und am Sonntag
in der Kirche von Lügum-
kloster.
Unter der Leitung von
Peter von der Osten sang
der Chor und spielte das
Konzertorchester der Mu-
sikvereinigung mit Doro-
thee Velten (Sopran) und
Christfried Biebrach (Bass)
als Solisten. Mit der Orche-
stereinleitung der tiefen
Streicher war die Gemütsla-
ge des ersten Satzes »Selig
sind, die da Leid tragen«
vorgegeben. Vom pauken-
pochenden Trauermarsch
entfaltete sich der folgende
Satz »Denn alles Fleisch, es
ist wie Gras«, unterbrochen
von dem lichtvoll davon