Aus der Zeitung 2007

Vielseitiges musikalisches Erlebnis im Advent

Artikel aus dem Nordschleswiger
KLIPLEFF/KLIPLEV - 18.12.2007
Adventsvesper der Nordschleswigschen Musikvereinigung, des Jugendmusikfonds Nordschleswig und der Nordschleswigschen Gemeinde in Klipleff.

Musikalische Adventsvesper in der Kirche zu Klipleff. Foto: Karin Riggelsen

Dass nicht nur die Gottesdienste am 24. Dezember eine Vielzahl von Menschen in die Kirchen zu locken vermögen, sondern auch vorweihnachtliche Lesungen, umrahmt von Chorgesang, Solostimmen und Instrumentalspiel, ließ die Musikalische Adventsvesper zum 3. Advent in der Kirche zu Klipleff unter Leitung von Musikdirektor Peter von der Osten erkennen. In gemeinsamer Regie der Nord-schleswigschen Musikvereinigung, des Jugendmusikfonds Nordschleswig und der Nordschleswigschen Gemeinde wurde den Besuchern ein vielseitiges Erlebnis geboten, das auch zum Mitsingen von Gemeindeliedern einlud.

Den mit zunehmender Stille erwarteten Anfang machte der neu gegründete »Buxtehude-Kammerchor« der Musikvereinigung. Für viele unsichtbar, aus dem Seitenschiff heraus, legte Niels La Cours gregorianisch geprägte Motette »Laudate Dominum« den Grund für die rechte Adventsstimmung. Dietrich Buxtehudes pedalgewaltiges Orgelpräludium C-Dur, gespielt von Frank Laue, leitete über zu Pastorin Kirstin Kristoffersens Begrüßung mit den Worten des 24. Psalms. Einen weiteren Introitus bot der vielköpfig besetzte Hauptchor der Nordschleswigschen Musikvereinigung mit Andreas Hammerschmidts sechsstimmiger Motette »Machet die Tore weit«. Wie in vergangenen Jahren schloss sich eine Lesung an. Der Generalintendant des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, Michael Grosse, rezitierte Viktor Blüthgens Erzählung »Das vertauschte Weihnachtskind«. Da konnte man seinen Spaß haben an der Geschichte der kleinen Elsbeth, deren sehnlichster Weihnachtswunsch ein Brüderchen ist: Ein Brief an den Ruprecht soll den in der Aufregung auf dem Wunschzettel vergessenen wichtigsten Wunsch nachreichen. Der landet allerdings nicht beim Ruprecht, sondern im Briefkasten des Kohlenhändlers Schlucker. Am Heiligen Abend dann kullern Tränen aus Elsbeths großen Kinderaugen: Das Brüderchen ist nicht unter den Geschenken. Da kommt von der Köchin die überraschende Nachricht, bei Doktors oben sei ein kleiner Junge angekommen. Eine Verwechslung! ruft Elsbeth und will gleich die Treppe hinaufstürmen. Von den Eltern gebremst, gelingt es auch am Weihnachtsmorgen noch nicht, das vermeintliche Brüderchen zu sehen. Ein weiterer Brief an den Ruprecht soll die Sache klären. Da wird für Elsbeth ein großes Postpaket vom Christkind abgegeben. Ein von Elsbeth unentdeckter blauer Stempel verrät allerdings den wahren Absender: Schlucker und Kompanie, Kohlenhandlung. Und was enthält die Kiste? Eine Puppe, einen Jungen, so groß, wie Elsbeth noch keinen gehabt hat. Ein beiliegender Brief vom Chistkind entschuldigt das Ersatzgeschenk, »zwar nicht lebendig, aber sehr schön«. Am selben Tag besieht Elsbeth Doktors neuen Jungen. Er ist schrumpelig und hässlich und quäkt fürchterlich. Elsbeth ist ihr Puppen-Brüderchen viel lieber. Das andere können Doktors behalten! Ein erster rein instrumentaler Beitrag zur Adventsvesper war das Konzert für Cembalo, Streicher und Basso continuo, A-Dur, von Johann Sebastian Bach. Begleitet von oft sparsamen Streichereinwürfen spielte Olav Oussoren den zartklingenden Cembalopart mit barocker Virtuosität. Auch die anschließende Bachkantate »Nun komm der Heiden Heiland« gehörte zu den Höhepunkten des adventlichen Gottesdienstes: Neben dem vollen Chorklang in den Ecksätzen traten Annette Lorenzen und Marion Petersen, beide Sopran, solistisch hervor. Erstere sang ihre Arie »Komm, Jesu, komm zu deiner Kirche« mit wunderbar klarem und reinem Ton. Kontrastreich, mit ganz anders gefärbter Sopranstimme, ließ Marion Petersen Rezitativ und Arie »Öffne dich, mein ganzes Herze« folgen. Eine biblische Lesung der Pastorin aus dem Matthäus-Evangelium, bei der Jesus die Zweifel, ob er der wahre Messias sei, aufhebt, bildete den Abschluss der Darbietungen, bevor sich der Buxtehude-Kammerchor noch einmal mit Albert de Klerks »Pater noster« hören ließ. Der große Chor der Musikvereinigung bekräftigte das Gebet orgelbegleitet mit Niels W. Gades romantischklangvollem »Amen«. Prachtvoller Abschluss dann zum ausgehenden Buxtehude-Jahr das g-Moll-Präludium des Meisters, bei dem Frank Laue noch einmal das volle Registerpotenzial der Klipleffer Orgel zum Klingen brachte. Wärme ging davon aus vor dem Aufbruch in den kalten Dezemberabend. Von Jens Uwe Jessen