Aus der Zeitung 2005

Broacker/Broager - 13. Dezember 2005 - von DN

Gottesdienst mit Musik und Lesung

Musikalische Adventsvesper lockte viele Menschen in die Broacker Kirche / Jeder Programmpunkt ein Höhepunkt

Besonders dem Kinderchor, der beim Singen des ersten Liedes »Wir zünden an das erste Licht« die Kerzen weitergab, bis alle 20 Kinder eine brennende Kerze in der Hand hielten, flogen die Herzen der versammelten Gemeinde zu.
Merete Abrahamsen leitete den ersten Auftritt des im August neu gegründeten Kinderchores und begleitete sie beim zweiten Lied »Dezemberträume« auf dem Klavier. Es war offensichtlich ein Lieblingslied der Kinder, das sie mit vollen Stimmen und deutlichem Text sangen.
Pastorin Sylvia Laue hat in beeindruckender Weise die verschiedenen Elemente der Adventsvesper mit liturgischen Texten so verbunden, dass die Chormusik, die Gemeindechoräle und die Lesung in einem einheitlichen Rahmen verständlich wurden und zu einem Erlebnis zusammenwuchsen.
Ein besonderer Höhepunkt war die Lesung von Michael Grosse, Intendant des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters. Der erste Text, »Lob der Vergänglichkeit« von Thomas Mann war von hohem philosophischem Anspruch. Die Frage nach der Nichtigkeit unseres Lebens angesichts der großen Zusammenhänge wurde mit dem Wert der Einzigartigkeit unseres Daseins abgewogen und beantwortet. Als zweites las Michael Grosse aus den Tagebüchern von Albert Schweitzer, und hier ging immer wieder ein zustimmendes Raunen oder ein kurzes Gelächter durch die Kirche, denn wer kennt sie nicht, die Qualen des Schreibens der »Bedanke-mich-Briefe« nach den Festtagen? Michael Grosse schloss seine Lesung mit Hans Christian Andersens Märchen »Das hässliche Entlein« in bewegender Eindringlichkeit, so dass die Zuhörer bei der Erinnerung an die eigene Kindheit, aber auch bei ganz neuen sprachlichen Eindrücken miterlebten, wie der junge Schwan heranwuchs.
Mit adventlichen Motetten und Chorsätzen bot der große Chor der Musikvereinigung den festlichen musikalischen Rahmen. Die Motetten von Hammerschmidt »Machet die Tore weit« und Schütz »Also hat Gott die Welt« geliebt« gehören zur Tradition der vorweihnachtlichen Chormusik wie auch Praetorius' »Der Morgenstern ist aufgegangen« und das Lied »Maria durch ein Dornwald ging«. Unter der Leitung von Peter von der Osten entfaltete der Chor einen gleichmäßigen und sauberen A-capella-Klang, der stilsicher die verschiedenen Epochen der Motetten wiedergab. An der Orgel gab Frank Laue Impulse des entstehenden Adventslichtes: düster, doch hoffnungsvoll zunächst Flor Peters »O komm du Morgenstern«, dann mehr Licht in dem Orgelchoral »Den mørke nat forgangen er« von Jesper Madsen und endete mit dem großen Postludium aus der Hochromantik in vollem Glanz, Niels W. Gades Tonestykke in F-Dur.
Die Schirmherrin des Jugendmusikfonds für Nordschleswig, Frau Doris Jebsen, konnte sich über eine reiche Kollekte am Ausgang freuen, die dazu beitragen wird, dass auch im nächsten Jahr junge Musiker durch den Fonds gefördert werden können.
Zu den Veranstaltern gehören neben dem Jugendmusikfonds die Nordschleswigsche Musikvereinigung und die Nordschleswigsche Gemeinde.


Apenrade/Aabenraa - 03. November 2005 - von DN

Klänge zum Gedenken an das Kriegsende

Konzert der Nordschleswigschen Musikvereinigung

Die Aufführungen der Werke von Mozart, Purcell und Mauersberger finden im Zeichen des Volkstrauertages und des 60. Jahres seit Ende des Zweiten Weltkrieges statt, erläutert Chorleiter Peter von der Osten. 125 Chorsänger der Nordschleswigschen Musikvereinigung und dazu 33 Sänger des dänischen Padborg Sangkor präsentieren die Werke am 11. November in Hadersleben, am 12. November in Apenrade und am 13. November in Lügumkloster.
Auf dem Programm steht zunächst die Trauermotette von Rudolf Mauersberger »Wie liegt die Stadt so wüst« nach den Klageliedern Jeremiae für siebenstimmigen Chor a cappella. Diese Motette wurde das erste Mal am Kar-Sonnabend 1945 in Dresden aufgeführt, gesungen unter dem Eindruck der Feuersbrunst über der Stadt - ein äußerst intensives und authentisches Chorwerk. Die Komposition ist unmittelbar nach dem Angriff entstanden.
Als zweites erklingt die »Funeral Music of Queen Mary« des großen englischen Komponisten des Vorbarock Henry Purcell aus dem Jahre 1694. Dieses Werk soll zugleich an eine andere verbrannte Stadt der Flächenbombardements erinnern: Coventry in England. Die Trauergesänge sind dem Buch Hiob entnommen, und zahlreiche Quellen belegen, dass Purcells Komposition im 17. Jahrhundert hoch geschätzt und häufig aufgeführt wurde.
Das Hauptwerk des Gedenkkonzertes ist das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart. Es gilt neben der »Zauberflöte« als Gipfelwerk und als Vermächtnis des großen Komponisten. Beide Werke entstanden in Mozarts Todesjahr; das Requiem wurde erst posthum durch seinen Schüler Franz Xaver Süssmeier vervollständigt.
Das »Konzertorchester der Musikvereinigung« hat 32 Musiker, die sich aus dänischen und deutschen Musikern zusammensetzen, alle professionell ausgebildet. Die Solisten sind aus Kopenhagen: Sofie Ottosen als Opernsängerin, Bo Kristian Jensen und Yngve A. Søberg sind im Abschlusssemester der Opernschule Kopenhagen, und Barbara Rohls ist Sängerin in Deutschland und der Schweiz.
Die Konzerttermine:
Freitag, 11. November, Hadersleben, Domkirche, 20 Uhr.
Sonnabend, 12. November, St. Nicolai Kirche, Apenrade, 20 Uhr.
Sonntag, 13. November, Lügumkloster, Kirche, 17 Uhr.


Århus - 28. Mai 2005 - von -uk-.

»Ich hoffe, 15 bis 20 Kinder – das wäre schon nicht schlecht!«

Merete Abrahamsen, Århus, baut einen neuen Kinderchor der Nordschleswigschen Musikvereinigung auf

Der Nordschleswiger: Frau Abrahamsen, Sie wollen für die Nordschleswigsche Musikvereinigung einen neuen Kinderchor gründen. Warum?
Merete Abrahamsen: Weil ich dazu Lust habe. Ich habe selber viele Jahre lang im Kinderchor mitgesungen – unter Leitung von Lehrerin Ingrid Voetmann ...
Der Nordschleswiger: ... den es bis vor zehn, elf Jahren gab.
Abrahamsen: Ja. Vor einigen Jahren kam ein Kinderchor wieder einmal zur Sprache. Da dachte ich: Wenn es so weit kommt, dann möchte ich gerne mit dabei sein.
Der Nordschleswiger: Und jetzt ist es bald soweit?
Abrahamsen: Ja.
Der Nordschleswiger: Aus welchem Anlass soll es gerade jetzt losgehen?
Abrahamsen: Offenbar sind die Gelder für einen Kinderchor gefunden worden und dass es in meine Planungen auch gut hineinpasst.
Der Nordschleswiger: Inwiefern passt das in Ihr Musikstudium gut hinein?
Abrahamsen: Ich kann die Kinderchorarbeit mit einem meiner Hauptfächer verbinden – mit der musikalischen Früherziehung, in der ich den Schwerpunkt auf Kinderchor habe.
Der Nordschleswiger: Welches Alter werden die Kinder des Kinderchores haben?
Abrahamsen: Wir denken an die dritte bis fünfte Klasse, also die Neun- bis Zwölfjährigen.
Der Nordschleswiger: Und wie viele Kinder?
Abrahamsen: Es kommt darauf an, wie viele sich anmelden.
Der Nordschleswiger: Mit wie vielen Anmeldungen rechnen Sie denn?
Abrahamsen: Ich hoffe, 15 bis 20 Kinder. Das wäre schon nicht schlecht!
Der Nordschleswiger: Könnte der Chor auch größer werden, wenn mehr Kinder Interesse haben?
Abrahamsen: Ja.
Der Nordschleswiger: Richtet sich Ihr Angebot an die Kinder aus allen deutschen Schulen Nordschleswigs?
Abrahamsen: Ja.
Der Nordschleswiger: Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, welche Lieder, welche Stücke der Kinderchor singen und einüben könnte?
Abrahamsen: Welche Stücke ganz genau, weiß ich noch nicht.
Der Nordschleswiger: Können Sie eine Richtung nennen?
Abrahamsen: Ich denke an Verschiedenes. Es ist wichtig, dass mehrere Türen geöffnet werden und dass man sich nicht auf eine Sache festlegt, dass man zum Beispiel sagt: nur klassische Stücke oder nur Volkslieder.
Der Nordschleswiger: Also bunte Mischung, so dass die Kinder ihren Spaß und ihre Freude am Chorsingen haben?
Abrahamsen: Genau.
Der Nordschleswiger: Wann soll der Chor beginnen?
Abrahamsen: Am Dienstag, 16. August.
Der Nordschleswiger: Wie oft wird sich der Kinderchor treffen?
Abrahamsen: Einmal in der Woche, von 15 bis 16.30 Uhr, im Deutschen Gymnasium, Apenrade: 50 Minuten singen, eine Viertelstunde Pause, 25 Minuten singen.
Der Nordschleswiger: Wie alt waren Sie, als Sie mit Musik begonnen haben?
Abrahamsen: Ich war fünf, als ich im Kinderchor anfing. Ich der ersten Klasse fing ich mit Musik an. Von da an hat sich das entwickelt. Irgendwann wusste ich, dass ich später in meiner Berufstätigkeit irgendetwas mit Musik und mit Menschen zu tun haben möchte. Das stellte ich auch fest, als ich im musikalischen Grundkursus war.
Der Nordschleswiger: Dann dürfen wir Ihnen viel Erfolg wünschen!
Abrahamsen: Man darf sich zahlreich anmelden. Es wird schön werden!


Hadersleben/Haderslev - 14. Mai 2005 - von (DN)
Bücherei als klangvoller Probenraum
Spontane »Jubiläums-Probe« zum 100-jährigen Jubiläum des Haderslebener Musikvereins mit allen Teilnehmern

Wer glaubt, keine Stimme zu haben, oder unmusikalisch zu sein, wird von dem Vollblutmusiker und Chorleiter Peter von der Osten sehr rasch eines Besseren belehrt. Der 53-jährige Dirigent der Nordschleswigschen Musikvereinigung probt seit zwölf Jahren regelmäßig mit dem Haderslebener Musikverein und verwandelte am Mittwoch bei einer offenen »Jubiläums-Probe«, die mit einem kleinen Empfang verbunden war, die Deutsche Bücherei Hadersleben in einen klangvollen Probenraum.
Dabei gelang es Peter von der Osten, der immer daran interessiert ist, neue Stimmen für seinen Chor zu gewinnen, alle Teilnehmer im Handumdrehen in die Probe mit den Haderslebener Sängern einzubinden. Faszinierend war zu erleben, wie der Dirigent das Einsingen mit Stimmbildungsübungen locker gestaltete. »Wir begeben uns jetzt auf eine höhere Ebene, eine Klangebene, die egal ob weltliche oder kirchliche Musik immer eine Erhöhung bedeutet«, ermunterte der Dirigent die Sänger.
Den Tonübungen folgten fast philosophische Betrachtungen zum Liedgut aus dem eigens zusammengestellten Notenbüchlein. Angefangen von »Musicalish« aus einem bekannten Musical über »Ehrenvoll« ernst ging es über in »Nostalgisch« zu englisch gesungenen Texten aus »Porgy and Bess«, das 1977 unter seinem Vorgänger Hanskarl Michalik zu einem Riesenerfolg geworden war. Einige Sänger konnten die recht schwierigen Passagen noch ganz gut bewältigen. »Ein Jammer, dass auf Gershwin inzwischen so strikte Lizenzen liegen, dass es heute ausgeschlossen wäre, so etwas noch einmal zu machen«, sagte Peter von der Osten, der jedoch nie sein Ziel aus den Augen verloren hat, mit seinem Chor in absehbarer Zeit auch einmal Werke des 20. Jahrhunderts zu erarbeiten.
Dabei wird jedoch klar, dass der Dirigent nie über die Köpfe seiner Chormitglieder hinweg entscheiden würde. »Der Chor entwickelt große Initiative und Flexibilität in Richtung auf Chor-Demokratie. Wir besprechen alles gemeinsam und versuchen die Demokratie anzuwenden, und wenn wir uns entschieden haben für etwas, dann tun wir es auch, selbst wenn dann mal die Enkelkinder nicht gehütet werden oder Sommerreisen verschoben werden. Da ist also auch eine große Bereitschaft, der demokratischen Entscheidung die Konsequenzen folgen zu lassen. Das ist oft in Chören, die ich von früher kenne, nicht so.«
Bei einem Chor, der aus einer so langen Tradition schöpft, ist das anders. Dennoch ist aus der Tradition keine Starre entstanden, sondern im Gegenteil große Flexibilität. So können z. B. problemlos Frauenstimmen bei Bedarf in den Tenor integriert werden, oder es kann langfristig geplant werden. Das im Vorwege schon starke Gemeinschaftsgefühl verbindet sich mit dem Pflichtgefühl gegenüber den anderen Stimmen, die man durch Auslassen von Proben nicht im Stich lassen will. Alle sind mit so viel Begeisterung bei der Sache, dass neben den traditionellen Chorreisen, die alle zwei Jahre stattfinden, auch gemeinsame Sommerabschlüsse durchgeführt werden, wo man sich dann zum Beispiel auf den Tanneninsel, in Hadersleben wiederfindet. Auch besondere Aufführungen in Hamburg oder in Århus – und demnächst vielleicht sogar die Oper in Zürich – sind Erlebnisse, die verbinden.
Auf die Frage, wo Singen heute noch richtig Tradition ist, hat Peter von der Osten eine von seinen unverkennbaren Ansichten parat: »Singen hat eigentlich überhaupt nichts mit Tradition zu tun, sondern es hat etwas damit zu tun, dass Menschen erleben können, dass sie miteinander – aber eben in einzelnen, selbstständigen Stimmen – gegeneinander und zueinander richtig singen. Ein Beispiel ist der Kanon. Wer dieses wirklich richtig erlebt, der merkt, dass es also eine Kooperation ist, die dort stattfindet, ein Gruppenerlebnis, ein Miteinander, das so eine besondere Art hat, dass die meisten Menschen das immer wieder suchen werden.«
Als langjähriger Fachberater für Musik an Gymnasien bezeichnet Peter von der Osten es als Katastrophe, dass an den Schulen kein Unterricht mehr vorbereitet wird, bei dem Kinder lernen, einen Kanon richtig halten zu können: »Dadurch fehlt den Kindern das Eingangserlebnis zu dem Genuss, gegen eine Freundin oder einen Freund eine zweite Stimme halten zu können. Und damit stirbt das Ganze aus, bis man vielleicht zufällig nach der Pubertät entdeckt, dass das Singen einem Freude macht. Die Chormusik wird einfach dadurch gefährdet, dass der Musikunterricht eine fünfte Priorität im schulischen Gedanken hat.«
Dies gelte in einzelnen Regionen, wie zum Beispiel in Nordschleswig, nicht ganz, da dort immer wieder viel gemacht werde wie z. B. musikalische Früherziehung, räumt Peter von der Osten ein, der jedoch Chorwettbewerbe für Kinder vermisst, bei denen mehr als einstimmiges Singen gefordert ist. »Das mehrstimmige Singen eines Bach’schen Chorals ist und bleibt ein Grundelement, um dieses Erlebnis von gemeinsamem Musizieren aufzuschließen.«


Hadersleben/Haderslev - 07. Mai 2005 - von gms/pj.

100 Jahre Haderslebener Chortradition

Der »Haderslebener Musikverein« besteht seit dem 9. Mai 1905 / Nur sevhs musikalische Leiter in einem Jahrhundert

Das Musikleben Nordschleswigs erhielt vor 100 Jahren einen entscheidenden Anstoß, der von Hadersleben ausging. Hier wurde am 9. Mai 1905 anlässlich des 100. Todestages von Friedrich Schiller durch Helene Meyer der »Haderslebener Musikverein« ins Leben gerufen, der unter der Stabführung des Seminarmusiklehrers Julius Huth mit einer eindrucksvollen Aufführung des »Liedes von der Glocke«, vertont von Romberg, zum ersten Mal an die Öffentlichkeit trat.
Inzwischen wagt sich der Chor, der 1928 in der Nordschleswigschen Musikvereinigung aufging, längst an große Aufgaben und anspruchsvolle Werke heran, wie die nebenstehende Programmübersicht eindrucksvoll verdeutlicht.
Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass in einhundert Jahren nur sechs Dirigenten mit dem Chor gearbeitet haben, was von Kontinuität und Einigkeit zwischen Sängern und Chorleitern zeugt. Der erste Dirigent des Haderslebener Musikvereins war Julius Huth, der als anerkannter Pianist, als Organist und Lehrer 1897 die Musiklehrerstelle am damals noch deutschen Lehrerseminar in Hadersleben erhalten hatte. Nach dem erfolgreich verlaufenen Konzert mit Schillers »Glocke« dirigierte Julius Huth den Chor 15 Jahre lang. Die Dirigenten bekamen seinerzeit weder Gehälter noch Fahrzeuge gestellt und opferten nicht nur ihre Zeit, sondern auch manche Krone aus eigener Tasche. Julius Huth mußte als Deutscher nach der Abstimmung das nun dänische Hadersleben verlassen und wurde als 58-jähriger preußischer Beamter pensioniert.
Friederike Andersen übernahm 1923 als ausgebildete Gesangspädagogin den Musikverein mit 43 Sängern. Sie setzte sich bei der in den Anfängen stehenden Nord-schleswigschen Musikvereinigung (NMV) sehr dafür ein, die Solistenpartien mit professionellen Sängern zu besetzen. Die Dirigentin verließ den Chor im Herbst 1926, um eine finanziell abgesicherte Stelle als Musiklehrerin in Aschersleben/Harz anzunehmen.
Dritter Dirigent wurde Alfred Huth, der Sohn von Julius Huth, der in Deutschland Musik studiert hatte und als Lehrer nach Nordschleswig zurückkehrte. In Lügumkloster spielte er u.a. die Marcussen-Orgel, komponierte und gründete dort einen gemischten Chor. Außerdem übernahm Alfred Huth den »Tonderner Männergesangsverein«, gründete bald aber einen gemischten Chor in Tondern. Nach dem Fortgang von Friederike Andersen übernahm er auch den Haderslebener Musikverein und setzte in Hadersleben die Tradition des Vaters mit 70 Sängern fort. Die Arbeit in Hadersleben machte Alfred Huth viel Freude, zumal hier eine ganze Reihe wirklich musikalischer Familien lebte, mit denen er sich sehr verbunden fühlte. Zwölf Jahre lebte die Familie im eigenen Haus Marielystvej 1. Nach 1945 wartete Alfred Huth zweieinhalb Jahre im Gefängnis auf seine Ausweisung als Deutscher und verließ dann Hadersleben.
Fritz Andersen, der Bruder von Friederike Andersen, wurde als vierter Dirigent sein Nachfolger. Der Diplomingenieur kam nach Jahren beruflicher Tätigkeit in Berlin und Frankfurt kurz vor Kriegsende nach Hadersleben zurück. Er leitete den Chor ab 1945 als Dirigent und übernahm als guter Bariton auch Soloparts.
Schon damals diskutierte man im NMW die wünschenswerten Hauptproben in Apenrade einmal im Monat Aus beruflichen Gründen zog Andersen 1949 nach Kopenhagen. Dann kam mit Hanskarl Michalik ein hauptamtlicher Chorleiter, der vom Bund Deutscher Nordschleswiger angestellt war und 33 Jahre lang höchst verdienstvolle Chorarbeit leistete. Die Palette der unter Michalik erarbeiteten Konzerte zeugt davon. Hervorzuheben ist dabei, dass unter seiner Leitung auch anspruchsvolle Werke der Gegenwart aufgeführt wurden.
Neidlos rechnet Musikkonsulent Peter von der Osten seinem Vorgänger dieses Verdienst hoch an. Der studierte Vollblutmusiker und Dirigent hat seit 1984 dafür gesorgt, dass jedes Jahr mindestens ein großes Werk für Soli, Chor und Orchester in Nordschleswig aufgeführt wird und hat die Nordschleswigsche Musikvereinigung – damit auch den Haderslebener Musikverein – zu einem musikalischen Aushängeschild für die kulturelle Arbeit der deutschen Volksgruppe gemacht.
Peter von der Osten bescheinigt nach gut 20 Jahren seiner Chorleitertätigkeit den Sängern, dass sie immer noch mit Begeisterung bei der Sache sind. Engagement, Pflichtgefühl und ein starkes Gemeinschaftsgefühl des Chores be-zeichnet Peter von der Osten als Glücksfall, da das nicht zuletzt aus der langjährigen Tradition erwachsene Gemeinschaftsgefühl z.B. auch dazu führt, dass die Chormitglieder ihre Chorreisen ohne Zuschüsse selbst finanzieren.
Der Gemeinschaftsgedanke sei so stark ausgeprägt, dass höchsten fünf Prozent nicht regelmäßig an den Proben teilnehmen. Auch die zehn bis 20 Prozent dänischer Sänger, die sich dem Chor angeschlossen haben, tragen nach Einschätzung des Dirigenten voll zur guten Beziehung zwischen ihm und dem Chor bei.
Auch wenn sich Peter von der Osten wie alle Chorleiter mehr Nachwuchs in seinen Chören wünschen würde, spricht er mit Wärme über die meist älteren Stimmen, die durch gute Stimmbildung und Gestaltung zu hohen Leistungen geführt werden können:
»Wir haben zwar viel ältere Chormitglieder, die aber sehr viel Initiative und sehr viel Fantasie und Flexibilität entwickeln. Ob bei einer kleinen Veranstaltung, oder einem großen Oratorium – die Chormitglieder kommen zuverlässig und freuen sich auf gute Musik. Es ist natürlich ein großes Erlebnis, wenn wir in großen Kirchen mit großer Akustik singen wie dem Haderslebener Dom.«