Aus der Zeitung 2011

 

Sonderburg/Sønderborg - 12. Dezember 2011 - von Claudia Knauer

Stimmungsvolle Adventsvesper in St. Marien



Foto: Karin Riggelsen
Die Sonderburger Kirche St. Marien war gestern dicht gefüllt, als die Nordschleswigsche Gemeinde, die Nordschleswigsche Musikvereinigung und der Jugendmusikfonds mit Schirmherrin Doris Jebsen zum besinnlichen Genießen der Adventszeit geladen hatten.
Mit Helge Granum und Frank Laue an der Orgel wurde ein ganz besonderer Doppelhöhepunkt geboten, den die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Peter von der Osten gefühlvoll ergänzten.
Einen längeren Bericht lesen Sie in unserer Dienstagsausgabe.


Kopenhagen - 22. November 2011 - von Claudia Hoffmann Dose

Begeisterte Zuhörer in Kopenhagen

Ein ganz besonderes Konzert: Die Nordschleswigsche Musikvereinigung trat erstmals in der Kopenhagener Vor Frue Kirke auf


Der Schirmherr, der deutsche Botschafter Michael Zenner, verkündete nach dem Konzert: „Ich freue mich schon auf das nächste Jahr“. Das wurde von vielen Anwesenden als Einladung aufgefasst, diesem Ereignis andere folgen zu lassen.
Foto: Hans August Dose Stephansen

Grau hängt der Novembernebel über Kopenhagen und dämpft die verbliebenen Geräusche der Großstadt an diesem Ewigkeitssonntag. Aber der Strahlkraft des Konzertes in der Vor Frue Kirke im Stadtzentrum kann dies nichts anhaben: Die Besucherschlange reicht bis auf Vor Frue Plads. Der schlichte klassizistische Kirchenraum leuchtet im goldgelben Licht, und in den Bänken, im ersten und zweiten Stock finden weit mehr als 400 Konzertbesucher Platz. Die Aufführung der Nordschleswigsche Musikvereinigung von Martin Lutz’ Neukomposition „Stabat Mater“ und Mozarts Requiem unter der Schirmherrschaft des deutschen Botschafters Michael Zenner entpuppt sich als eine echte „Københavner“-Attraktion, zu der auch viele Nordschleswiger angereist waren. Ermöglicht wurde das Konzert in Kopenhagen durch Mittel des deutschen Auswärtigen Amtes.
Die Nordschleswigsche Musikvereinigung hat sich eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt, die sie mit Begeisterung und viel Musikalität meistert. Nach vielen Monaten des Probens als ganzer Chor, in Einzelstimmen, mit und ohne Solisten und nach einer kleinen Konzertreihe bildet die Aufführung in Kopenhagen den krönenden Abschluss.
Im ersten Teil des Konzerts geht es um Abschied und Schmerz, denn mit seiner Vertonung des Passionsgedichtes Stabat Mater, das Jesu Mutter in ihrem Schmerz am Kreuz ihres Sohnes in den Mittelpunkt stellt, lässt Martin Lutz (Jahrgang 1974) eine musikalische Brücke entstehen zwischen der mittelalterlichen Klage und der heutigen Zeit, die sich der öffentliche Kundgebung von Trauer entledigt hat.
Wie kommt Martin Lutz, Abiturient des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig in Apenrade und Oberstudienrat am Kopenhagener Rysensteen Gymnasium zu diesem Thema? „Eigentlich war es eher ein Zufall“, gesteht er „mich reizte aber ein anderen Blick als den, den wir sonst aus den Passionsoratorien kennen. In der Stabat Mater leiden wir mit und durch die Mutter.“ Und Konzertgäste, die vielleicht befürchtet hatten, ein so modernes Stück würde sie über Gebühr strapazieren, wurden positiv überrascht. Nach einer ersten Phase in orchestraler Breite verjüngt sich die Musik immer mehr, bleibt aber auch in den zarten Dialogen zwischen Solostimmen für Sopran oder Tenor und Oboe bzw. Cello weiterhin melodisch.
Der zweite Höhepunkt war Mozarts Requiem, um das sich eine der hartnäckigsten Verschwörungstheorien der Musikgeschichte rankt. Wer war der graue Bote, der Mozart im Juli 1791 den Auftrag gab, eine Totenmesse für einen von ihm geliebten Verstorbenen zu schreiben? Und lag es wirklich an einer Vergiftung von Seiten des Rivalen Salieris und seiner Clique, dass er, wie Mozart selbst glaubte, mit dem Requiem eine Totenmesse für sich selber schrieb?
Aber auch ohne diesen spektakulären Hintergrund als das letzte musikalische Werk aus Mozarts Feder ist sein Requiem eine Interpretation der Liturgie der Totenmesse, die einen nie wieder loslässt. Vom dramatischen Dies irae, Tag des Zornes, bis zum flehenden Salva me, rette mich, nimmt der Chor die Zuhörer mit in die Todesangst aber auch in die Hoffung auf die Wiederauferstehung.
Dirigent Peter von der Osten war mit der analytischen Akustik der Vor Frue Kirke mehr als zufrieden, und die Zuschauer belohnten das musikalische Ereignis mit stehendem Applaus!
Vor dem Hintergrund der frühen Abreise aus Nordschleswig und der musikalischen Tour de Force mit einem fast zweistündigem Programm ohne Pause war der Chor ganz damit einverstanden, dass die gebührend lobenden Worte für die tolle Leistung erst nach der Eröffnung des Büfetts an ihn gerichtet wurden. Hoffentlich verkürzte die Begeisterung über so ein Erlebnis Chor und Musikern die gefühlte Zeit für die Heimreise durch den inzwischen Novemberschwarzen Abend.


Beeindruckende neue Kirchenmusik

„Stabat Mater“ in der Komposition von Martin Lutz hatte gefeierte Weltpremiere / Weiteres Konzert in Kopenhagen

APENRADE/HADERSLEBEN/

LÜGUMKLOSTER – Eine Uraufführung besonderer Art stand am Wochenende an erster Stelle auf dem Programm der diesjährigen Konzerte der Nordschleswigschen Musikvereinigung in Hadersleben, Apenrade und Lügumkloster. Unter der musikalischen Leitung von Peter von der Osten brachten Chor und Konzertorchester der Nordschleswigschen Musikvereinigung zusammen mit einem hervorragenden Solistenquartett Martin Lutz` „Stabat mater” und Mozarts „Requiem” zur Aufführung. Zwischen dem Komponisten Martin Lutz (* 1974) und der Musikvereinigung besteht seit Jahren eine enge Verbindung, da Lutz, jetzt vielseitiger Musiker und Oberstudienrat in Kopenhagen, sein Abitur am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig absolvierte. Mit seiner Vertonung des „Stabat mater” hat er einen beeindruckenden Beitrag zur Kirchenmusik der Gegenwart geleistet, der zweifellos in weiten Musikkreisen von sich reden machen wird. Nach der Premiere im Haderslebener Dom am Freitag weckte das Werk auch beim Publikum in der Apenrader Sønderjyllandshalle außerordentliche Bewunderung. Durchweg im Rahmen der Tonalität ist die Musik vor allem durch ausgedehnte melodische Linien gekennzeichnet und somit trotz diffiziler Harmonik ausgesprochen singbar. Nicht minder eindrucksvoll als die Gesangspartien erschien der instrumentale Anteil der Komposition. Neben einer kompletten Streicherbesetzung spielten Holzbläser und namentlich das Glockenspiel eine gewichtige Rolle. Harfe, Orgel und weitere Schlaginstrumente rundeten das Instrumentarium ab. Neben der stets wechselnden Orchesterumrahmung der Chor- und Solopartien war das solistische Hervortreten einzelner Instrumente von besonderem Reiz. So hielt die Sopranistin in eindrucksvoller Weise mit der Oboe und ein zweites Mal mit dem Cello Zwiesprache. Dann wieder ließen kunstvoll eingewobene

Ein musikalischer Hochgenuss im Haderslebener Dom.     Karin Riggelsen

 

Flötenornamente jenseits aller Trübsal ein tröstliches Licht erahnen. Der mit über 100 Mitgliedern besetzte Chor erwies sich bei den schwierigen Anforderungen der elodieführung als absolut kompetent. Von den weit ausholenden, meist ruhigetragenen gesanglichen Linien hob sich die Gegenüberstellung von Staccato und Legato in Frauen- und Männerstimmen reizvoll ab.